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LP AD 10-15

EinE nacht im Bauhaus TexT andrEas kühnlEin FoTos thomas skroch Im Türinger Wald schlummert ein fast vergessenes Bauhaus-Kleinod, in dem man sogar urlauben kann – die Geschichte einer Rettung in letzter Sekunde. H ätten Sie gedacht“, sagt Dieter Nagel stolz, „dass sich das größte Bauhaus-Ensemble Europas in Probstzella befndet?“ Dann muss er lachen, ein bisschen anmaßend ist das schon. Und doch nicht ganz verkehrt – wer ahnt schon, dass sich in dem winzigen Ort an der Tü- ringer Grenze zu Bayern das Bau- haus in seiner ganzen Farbigkeit auf sechs Etagen ausbreitet? Nagel ist Medizintechniker, gebürtiger Probstzellaer, spät berufener Hote- lier und so etwas wie der standhafe Gallier im Bauhaus-Imperium. Und er hat quasi im Alleingang das „Haus des Volkes“ gerettet, das Probstzella zur Bauhaus-Pilgerstätte machen könnte. Doch der Reihe nach. Gebaut wurde das „Haus des Volkes“ zwischen 1925 und 1927 von dem Türinger Elektropionier Franz Itting. Der hat- te die neue Zeit mit dem ersten E-Werk der Gegend schon 1909 einge- läutet und schickte sich nun an, mit einem Ort der Kultur auch die „geis- tige Erhöhung des Menschen zu fördern“. Teaterauführungen sollte es in seinem Haus fürs Volk geben, Konzerte und Kino, Hotelbetrieb und ein Restaurant, sogar eine Kegelbahn. Seine Kinder hatte der Unterneh- mer ans nebenan liegende Epizentrum der Moderne, Walter Gropius’ Bauhaus in Weimar, später Dessau, geschickt. Dort geriet er – das „Haus des Volkes“ war im Rohbau – an Alfred Arndt. Der „Urbauhäusler“ (Gropius), der es vom Vorkurs bis zum Meister der Ausbauwerkstatt bringen sollte, verwarf die Pläne des Saalfelder Architekten Hermann Klapproth nach einem Blick mit Bauhaus-typischer Chuzpe; das könne er allemal besser. Itting ließ sich überzeugen, und Arndt unter- schrieb seine Briefe ab sofort mit „Bauhaus Dessau, z. Zt. Probstzella“. Auf die Fassade des Baus, für den Klapproth den halben Berg dahinter hatte wegsprengen las- sen, konnte Arndt nur noch kos- metisch einwirken. Mit vertikalen Betonstreben brach er die allzu konservative, mittenbetonte Form Der mächtige Bau des Saalfelder Architekten Hermann Klapproth, dessen Fassade re. Alfred Arndt überarbeitet hate, überragt den kleinen Ort wie Kafas Schloss. Gedacht war das „Haus des Volkes“ mit einem reichen Kulturan- gebot als Ort zur „geistigen Erhöhung des Menschen“. Details wie das Kassenhaus u. und die Farbigkeit der Treppenhäuser li. restaurierten die Besitzer mit viel Respekt vor dem Original. 136

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