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LP AD 10-15

die sanftmut der dinge TexT uta schürmann porTräT heinrich holtgreve Martin Mestmacher macht Möbel, die eher Skulpturen aus lufigen Linien sind – und die ihrem Umfeld mit klarer Freundlichkeit gegenübertreten. M artin Mestmacher ist ein weißes Blatt, das doch nicht un- beschrieben ist. nach einer Tischlerlehre studierte er in den 80ern Innenarchitektur und design in Hannover, es folgten Ausstellungsprojekte mit dem Leipziger grassimu- seum und dem Museum Angewandte Kunst in Frankfurt, schließlich die Zusammenarbeit mit der Hamburger galerie Möbel perdu, die als Teil des neuen deutschen designs nach radikalen gestalterischen An- sätzen suchte. Anfang der 90er gründete er eine Firma für Wohnacces- soires, deren schneller erfolg ihm zu viel wurde: Im Jahr 2000 war Mestmacher ausgebrannt. er stieg aus allem aus und richtete die nächsten vierzehn Jahre lang Privatwohnungen ein. diese erste Karriere hat sich vor dem Millennium abgespielt. Mestmacher hinterließ deshalb keine Spur in den Weiten des In- ternets – eine wohltuend leere Fläche, wenn man einen neuan- fang wagen will. Was man jetzt im netz über ihn fndet, ist seine gegenwart; seine Firma gentle Objects, für die er Möbel de- signt, die vor allem Kunst sind. Bevor es zu diesem zweiten Start kam, musste erst etwas grundlegendes passieren, das ihn aufrütteln würde. die alles verändernde eingebung begeg- nete Martin Mestmacher in ge- stalt eines alten Beistelltischs im retro-Stil. „die Platte war hin, aber das schwarze Stahlgestell war noch intakt. es sprach mich irgendwie an, drum stellte ich es erst einmal in den garten.“ dort, in der Lüneburger Heide, stand es anderthalb Jahre lang. Mest- macher beobachtete, wie es im- mer wieder neue Schatten warf, wie der regen darauf fel und Schnee seine Silhouette durch- scheinen ließ. „Ich konnte mich nicht davon trennen, ich dachte: Irgendwas will das.“ eines Tages trug er es in sein Atelier und hängte es an die Wand. er betrachtete es, fand es in seiner einfachheit vollkom- men. Sehr liebevoll erzählt Mestmacher von diesem gestell, das er als Urmodell seiner Ob- jekte betrachtet. Seine Möbel sind freundliche Wesen. Leise und unaufgeregt beziehen sie mit sanfer entschlossenheit al- les um sich herum ein. So freundlich sie ihrer Umgebung entgegentreten, so aufgeschlossen begegnet ihnen seit ihrer ersten Präsentation auf der diesjährigen Kölner Möbelmesse auch die Öfentlichkeit. Zum glück, denn alles andere müsste Mestmacher persönlich nehmen, schließlich ofen- Mestmacher vor seiner „Composition 2.2“, die man auch als Gardero- be bezeichnen kann (diese Seite). Seine fligranen Objekte, wie der Sekretär „Composition 0.9“ (re. S. oben li.), entstehen beim Zeichnen. Er weiß vorher nicht, ob es ein Stuhl, Tisch oder vielleicht ein Schreib- platz mit Stehleuchte wie die „Baseline 2.DL“ (rechte S. oben re.) wird. 124

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