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LP AD 10-15

FOTOS:AndréMenge „man kann jetzt sagen: das ding mit dem spiegel ist eine garderobe. ist es ja auch irgendwie.“ martin mestmacher bart er sehr viel von sich selbst in seinen entwürfen – unter dieser Prämisse der schonungslosen Selbstdreingabe steht sein ganzer neuanfang. Mestmacher ist nicht nur ein weißes Blatt, er ist auch ein Schwamm, der alle eindrücke aufsaugt. er tippt an seine Stirn. „Ich nehme alles wahr, schleppe alles mit und lege es dann ins Bio-Lager hier oben. Wenn ich Ideen brauche, krame ich darin rum.“ Ähnlich em- pirisch geht er beim entwerfen seiner Möbel vor. er denkt nicht: Heute mache ich einen Tisch, sondern fängt einfach mal an, Linien und Flächen zu zeichnen. die Form wird die Funktion bestimmen, ob es am ende ein Tisch oder ein Stuhl wird, ist ihm egal. „Mei- ne Zeichnungen sehen aus wie die grund- risse von Häusern, mit Wegen und Plätzen drumherum.“ diese reine geometrie be- schreibt auch den eindruck, den man von seinen Möbeln hat, wenn man sie frontal betrachtet. Asymmetrien, die sich beim Zeichnen er- geben, lässt er stehen, das ganze soll am ende in seiner Summe har- monisch sein. Sobald ihm klar ist, was das Objekt sein könnte, fängt er an, es zu bauen. dabei versucht er, es so fligran wie möglich zu las- sen. „Am Anfang sind die Objekte deshalb immer total instabil, sie halten nicht und können nicht stehen.“ Mestmacher versucht dann ganz vorsichtig, ihnen Stabilität zu verleihen, ohne ihre Zerbrechlich- keit zu zerstören. Hier und dort fügt er eine zarte Strebe an, bis aus der Idee ein funktionierendes Möbelstück geworden ist. Wären seine Talente anders gelagert, wäre Mestmacher wohl abs- trakter Maler geworden. Aber er kann sich besser in räumlichkeit ausdrücken. er sieht seine Ob- jekte als dreidimensionale Bilder; gemälde, in die man sich eben hineinsetzen kann. Sie sind der rahmen, in dem sich alles ab- spielt, er gibt den dingen in ih- rer Unordnung und empfndlich- keit Halt, gleichzeitig schenkt er den Freiräumen die Möglichkeit, aus sich hinauszuwachsen. dulden seine Objekte auch an- dere Möbelstücke neben sich? Ih- re reduzierten Formen haben ne- ben ihrer luftigen Sanftmut ja doch auch eine gewisse Strenge. darf man etwa vor den filigranen, fast schwebenden Sekretär einen Stuhl stellen? natürlich, meint Mestmacher, er will da keinem etwas diktieren. er überlegt kurz, grinst: „Allerdings sieht er mit einem von meinen Stühlen be- sonders gut aus.“ „Sind Ihre Stühle eigentlich bequem?“ „Nicht zwingend!“ – Bei einem Sitzobjekt wie dem „Circleseat“ (unten) steht eben nicht der unmitelbare Nutzen, sondern der Aspekt des Skulpturalen, Geome- trischen im Vordergrund. gobymm.com wietze 125 stil porTräT 84

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